Kommunikationsfähigkeiet ist wichtigste FührungskompetenzKommunikationsfähigkeit: eines der Buzzwords, die in Stellenanzeigen für Führungskräfte sehr häufig erwähnt werden. Und einer der Begriffe, die auf meiner langen Liste unbedingt notwendiger Kompetenzen für Führungskräfte auf Platz 9 auftaucht. Leider verstehen viele Führungskräfte darunter vor allem, möglichst viel sprechen zu können. Dass auch Zuhören und non-verbale Kommunikation zur Kommunikationsfähigkeit gehören, wird häufig übersehen.

 

Kommunikationsfähigkeit: eine Definition

Kommunikation ist ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft – es wird nahezu allgegenwärtig kommuniziert. Mobiles Internet auf dem Smartphone macht’s möglich, immer und überall kommunikativ unterwegs zu sein, wir tauschen ständig Informationen aus. Genau das meint „Kommunikation“ auch im ursprünglichen Sinne: den Austausch von Informationen.

Kommunikationsfähigkeit zu definieren, ist hingegen schon schwieriger. Der Duden sieht im Begriff „Kommunikationsfähigkeit“ auch die „innere Bereitschaft, mit anderen in Kommunikation zu treten“. Auch muss die Fähigkeit gegeben sein, eine Kommunikation durchzuführen.

Hier finden wir auch den Grund, warum Kommunikationsfähigkeit in nahezu jeder Stellenanzeige gewollt wird: jeder Mitarbeiter, aber insbesondere Führungskräfte, müssen erkennen können, was das Gegenüber möchte. Und er muss dazu in der Lage sein, ebenso verständlich darauf reagieren zu können.

Kurzum: kommunikationsfähige Führungskräfte können ihre Botschaften klar und deutlich vermitteln und empfangene Informationen von anderen ebenso klar und deutlich interpretieren. Auch einen entsprechenden Kommunikationskanal zu finden, obliegt der Kommunikationsfähigkeit: ein Mitarbeitergespräch via Direct Message auf Facebook verstößt gegen alle Regeln der Kunst und für eine kurze Terminabsprache wäre ein halbstündiges Face-2-Face-Meeting ebenfalls unangebracht.

 

Führungskräfte geben den Ton an

Führungserfolg hängt von Kommunikationskompetenz abIm Unternehmen sind es letztlich Sie als Führungskraft, die den Ton angeben – und zwar im wahrsten Wortsinn. Deshalb ist es elementar, dass Führungskräfte in der Kommunikation nicht versagen. Das hätte das Risiko zur Folge, dass die unglückliche Kommunikation auf die interne und externe Kommunikation abfärbt. Ungeschickte Kommunikation kann also die Reputation sowie die Leistungsfähigkeit einer ganzen Organsiation schädigen.

Der Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick prägte fünf Kommunikationsgrundsätze, sogenannte Axiome. Ein Blick auf dieses Modell hilft uns, die Funktion der Kommunikation zu verstehen, aber auch, warum Kommunikation misslingen kann:

1. „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“ Dieser Grundsatz dürfte nahezu jedem bekannt sein. Er besagt: treten zwei Menschen in Verbindung, kommunizieren sie unweigerlich. Selbst dann, wenn Sie das Gespräch verweigern würden, wäre dies eine deutliche Botschaft an Ihr Gegenüber.

2. „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt.“ Kommunikation dient also nicht nur dem Austausch blanker Informationen. Sie dient auch dazu, miteinander in Beziehung zu treten. Ganz unabhängig vom ausgetauschten Inhalt verbindet Kommunkation, weshalb Watzlawick den Beziehungsaspekt als maßgeblich ansieht. Natürlich gibt auch das Gesagte Aufschluss über die Beziehung der Gesprächspartner.

3. „Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.“ Als überzeugter Konstruktivist ist sich Watzlawick sicher, dass jeder Mensch seine Wirklichkeit anhand erlebter Erfahrungen abbildet. Es entsteht eine subjektive Wirklichkeit und nach dieser handelt ein Mensch. In einer Kommunikation wirft nun jeder Gesprächsteilnehmer seine besonderen Werte, seine Weltvorstellungen ein und leitet daraus Reaktionen ab. Als Beispiel nennt Watzlawick die nörgelnde Ehefrau, die sich ständig über das Zurückziehen ihres Gatten beschwert. Der jedoch zieht sich zurück, weil seine Frau ständig nörgelt. Wer hat Recht? Beide – jeder auf seine Weise, jeder geprägt durch eigene Erfahrungen

4. „Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten.“ Watzlawick meint mit „analog“ die Mimik und Gestik, mit „digital“ die Sprache. Kommunikation enthält beide Komponenten, wenngleich diese nicht immer zusammenpassen müssen. Ein alltägliches Beispiel ist die lapidare Frage „Wie geht’s dir?“ und ein „Gut“ als Antwort, wenn auch das Gesicht eine deutlich andere Sprache spricht.

5. „Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht.“ Menschen haben verschiedene Rollen. Der Mittelmanager ist ein sehr deutliches Beispiel: für seine Mitarbeiter ist er Führungskraft, für seine Führungskräfte ist er Mitarbeiter. Entsprechend dieser Rollen ändert sich auch die Kommunikation. Ein Gespräch unter Kollegen beispielsweise findet auf derselben (symmetrischen) Ebene statt, ein Gespräch mit dem Vorgesetzten schafft ungleiche (komplementäre) Kommunikation.

 

So optimieren Sie Ihre Kommunikationsfähigkeit

Nach so vielen Informationen habe ich Sie hoffentlich nicht sprachlos zurückgelassen. Watzlawicks Modell zeigt, wie überaus anspruchsvoll Kommunikation ist – ein sehr komplexer Prozess, der sämtliche Beteiligten vor große Herausforderungen stellt. Nicht immer ist es leicht, so zu kommunizieren, dass der Empfänger der Botschaft tatsächlich versteht, was Ihre Intention ist.

Damit Sie es künftig etwas leichter haben, helfen Ihnen die folgenden Tipps und Anregungen. Möchten Sie am großen Kommunikationsrad drehen und gerne von Grundauf an Ihrer Kommunikationsfähigkeit feilen, freue ich mich sehr auf den Kontakt mit Ihnen!

 

Tipps für eine bessere Kommunikationsfähigkeit

  • Zielorientierung: Haben Sie sich im Laufe einiger Gespräche auch schon mal gefragt: worauf möchte Ihr Gesprächspartner eigentlich hinaus? – Klären Sie dies zunächst für sich. Welches Ziel Sie mit einem Gespräch verfolgen, sollte Ihnen vor Start der Kommunikation bewusst sein. Kennen Sie Ihre Absichten, können Sie das Gespräch erfolgreich lenken. Außerdem erleichtert Ihre Klarheit Ihrem Gegenüber, zu verstehen, was Sie sagen möchten.
  • Körpersprache: Nonverbale Kommunikation macht einen immensen Anteil an der Gesamtkommunikation aus! Jedoch lässt sich die Körpersprache zuweilen schwerer steuern als die Sprache. Das ist der Grund, warum Mimik und Gestik viel mehr aussagen können als jedes gesprochene Wort. Befassen Sie sich mit Körpersprache und achten Sie in Gesprächen gezielt auf kleine, feine Signale des Körpers – und zwar nicht nur bei Ihrem Gegenüber, sondern auch bei sich selbst.
  • Deutlichkeit: „Erst kam das Wort – gleich danach kam das Missverständnis“ – dieser Spruch birgt viel Wahres. Tatsächlich entstehen so die meisten Probleme in zwischenmenschlicher Kommunikation: der Sender kann sich beim Empfänger einfach nicht deutlich genug ausdrücken, er wird missverstanden.
  • Der Ton macht die Musik: Es ist nicht nur entscheidend, was Sie sagen, sondern auch, wie Sie es sagen. Dieses „Wie“ ist oft konfliktgeladen: bringen Sie Kritik konstruktiv rüber oder machen Sie aus jeder Feststellung gleich einen Vorwurf? Sie kommunizieren dann erfolgreich, wenn im Ton immer Ihre Intention mitschwingt.
  • Perspektivwechsel: Eine Kommunikation wird umso erfolgreicher, je mehr beide Gesprächspartner bereit sind, die Perspektive des anderen einzunehmen. Wie kommt das Gesagte bei Ihrem Gegenüber an? Können Sie Verständnis für seine Situation aufbringen? Hier erkennen Sie, dass Empathie und Kommunikationsfähigkeit eng beieinanderliegen. Auch gilt es, Ihr Gegenüber genauso zu Wort kommen zu lassen und ihn nicht zu unterbrechen. Nehmen Sie Ihr Gegenüber in jeder Kommunikation ernst. Hören Sie zu, hören Sie auch, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Durch das Einnehmen der Perspektive des Gesprächspartners gelingt Ihnen das.
  • Timing: Selbst die richtigsten Worte können im falschen Augenblick alles zerstören. Deshalb ist Timing für erfolgreiches Kommunizieren so wichtig! Wenn ein Mitarbeiter etwa Ihr Meeting stört, um über sein Gehalt zu verhandeln, werden Sie sicher nicht mit sich reden lassen. Andersherum stören auch Sie Ihre Mitarbeiter nicht, wenn diese tief in Konzentration sind. Timing ist, wie Kommunikation selbst, wechselseitig. Fragen Sie sich deshalb immer, ob jetzt der richtige Augenblick für die Kommunikation ist.

 

Kommunikation: Ihr wichtigsten Führungswerkzeug

Kommunikation ist wichtig für FührungskraftKommunikation ist Ihr wichtigstes und am meisten eingesetztes Instrument als Führungskraft. Beispielsweise Delegieren, Kritikgespräche, Mitarbeiter coachen oder motivieren setzen genauso sehr klare und wirkungsvolle Kommunikation voraus, wie die Zusammenarbeit mit Kollegen oder wenn Sie Ihrem Vorgesetzten etwas „verkaufen“ wollen.

Zu kommunikativer Kompetenz gehören jedoch nicht nur die Fähigkeiten, also das Wissen und Können. Ohne die Bereitschaft, sich auf sein Gegenüber wirklich einzulassen, nutzt das Wissen über Kommunikationstheorien gar nichts. Erfolgreich kommunizieren als Führungskraft bedingt auch immer das Einbringen seiner Persönlichkeit.

Führungspersönlichkeit plus Kommunikationsfähigkeit machen Ihren Erfolg in der Führung aus. Die gute Nachricht: Beides ist entwickelbar. Kommunikationsfähigkeit, klare und wirksame Kommunikation sind trainierbar. Es ist wie Fahrradfahren. Durch bewusstes Anwenden einiger weniger grundlegender Kommunikationstechniken, können Sie diese Führungskompetenz ständig verfeinern.

Sie möchten die Wirksamkeit Ihrer Kommunikation mit einem Sparringspartner verfeinern? Sie stehen vor einer ganz speziellen, für Sie schwierigen Kommunikationssituation und möchten sich vorbereiten? Sie möchten diese mal gezielt und in geschütztem Rahmen üben? Dann nehmen Sie mit mir Kontakt auf. Wir machen gemeinsam eine (Kommunikations-) Fahrradtour. Danach sind Sie fit und für alle weiteren Herausforderungen gewappnet.

Wie verfeinern Sie Ihre Kommunikationstechnik? Wie bereiten Sie sich auf schwierige Kommunikationssituationen vor? Haben Sie ein persönliches Erfolgsrezept? Dann würde ich mich über Ihren Kommentar hier freuen.

 

 

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