Das richtige Mindset in der FührungWir alle tun es. Jeden Tag, ob Kind oder Erwachsener, Mann oder Frau. Wir funktionieren. Spulen bestimmte Programme ab, weil das erwartet wird und weil wir es als notwendig erachten. Und bis zu einem gewissen Punkt ist das auch sinnvoll, bestimmte Dinge müssen eben erledigt werden, und da macht man es sich leichter, wenn man nicht drüber nachdenkt, ob dieses Funktionieren nun gut ist oder nicht.

Es beginnt bei Kleinigkeiten, und kaum jemand wird sich bei jedem Mal, wenn er den Müll ‘rausbringt, die Frage über den tieferen Sinn dieser Tätigkeit stellen. Doch ausgerechnet dieses Beispiel eignet sich, um dennoch eine weitere, grundlegende Frage zu stellen: Muss ich all diesen Müll produzieren? Könnte es nicht auch weniger sein, wenn ich mein Verhalten etwas ändere? Hier geht das Denken, das Fühlen über das bloße Funktionieren hinaus. Und so ähnlich kann man sich das auch bei Führungskräften vorstellen. Denn die funktionieren besonders gut. Oder eben auch nicht. Wenn das Funktionieren über der inneren Überzeugung steht, wenn das eigene Handeln nicht mehr hinterfragt wird.

Es wird Zeit für weniger Funktionieren!

 

Das Gegenteil von Funktionieren?

Lars Vollmer und Mark Poppenborg betrachten Führung aus einem besonderen Blickwinkel. Und zwar aus einem, der – denkt man ihn konsequent zu Ende – alle Herangehensweisen in Frage stellt. Sie meinen, dass moderne Führung keine Rezepte habe, keine Antworten, die vorgefertigt seien und dass es niemanden gebe, der Antworten auf komplexe Fragestellungen gibt. Wenn das stimmt, was wird dann aus der Führungsarbeit, die jahrzehntelang beackert wurde? Steht jede Führungskraft plötzlich alleine da und muss zusehen, wie sie ihre Probleme irgendwie löst? Nein, so ist es nicht.

Im Gegenteil, gerade der „einsame Kämpfer auf weiter Flur“ neigt dazu, zu funktionieren, bis nichts mehr geht. Dabei gehen die wichtigsten Fähigkeiten einer Führungskraft nach und nach verloren. Der Mindset-Ansatz will das verhindern, und er bietet sechs Stichworte an, um dabei erfolgreich zu sein.

 

1. Glaubenssätze: Muss das jetzt wirklich sein?

Mindset und Glaubenssätze in der FührungUnd ob das sein muss! Denn es geht zunächst einmal nicht um die eigenen Glaubenssätze, sondern die … man könnte sagen: überlieferten. Bedenkt man zum Beispiel, wie der Automobilgigant Henry Ford Führung sah, muss man sich ernsthafte Gedanken darüber machen, ob das noch zeitgemäß ist. Für Ford waren seine Arbeiter nichts weiter als Lakaien, die gefälligst zu funktionieren haben (da ist es wieder, das Wort). Er traute ihnen nichts zu, außer ihren Job zu erledigen, und selbst dabei war er sicher, dass es nur läuft, wenn reichlich Druck ausgeübt wird.

Oder denken wir an den Leitsatz (Glaubenssatz) von Taylor, der sagte: „Oben wird gedacht und unten wird gemacht.“ Auch hier wird ein vernichtendes Menschenbild offenbar, das eigentlich in modernen Köpfen nichts mehr zu suchen haben sollte. Doch solche Glaubenssätze wirken bis in die Gegenwart hinein. Es gilt also, sich zunächst mit ihnen zu beschäftigen, um dann im nächsten Schritt eigene zu formulieren, die zur eigenen Persönlichkeit passen.

 

2. Lernen!

„Kenn‘ ich schon, weiß ich schon, ist mir bekannt …“ Schön, wenn man das von sich sagen kann. Und doch ist es auch das exakte Gegenteil, schrecklich, schlimm, tragisch. Denn wer meint, dass er mit dem, was er bisher gelernt hat, erfolgreich führen kann, der irrt. Führungskräfte, die sich als Lehrende, aber nicht als Lernende begreifen, haben etwas ganz Wesentliches nicht verstanden: Nur wer bereit ist, Neues zu erlernen, ist imstande, das eigene Verhalten zu reflektieren, selbstkritisch sein Verhalten zu analysieren und so besser zu werden.

Übrigens lernt man am besten in der Gruppe, daher kann der eigene Lernprozess auch das Team stärken und jedem Mitglied Vorteile bringen. Wichtig dabei sind die Offenheit und die Augenhöhe mit dem Team. Eine Führungskraft, die sich als lernbereit präsentiert, stärkt die eigene, natürliche Autorität, und das ohne dabei autoritär werden zu müssen.

 

3. Disziplin als Chance

Führungskraft braucht DisziplinPassender wäre in diesem Zusammenhang: Selbstdisziplin. Denn Führung ist erlernbar, und darauf liegt – wie im Punkt zuvor – der Fokus: Lernen. Niemand wird als perfekte Führungskraft geboren, niemand wird überhaupt als Führungskraft geboren. Es ist ein Prozess, der niemals endet und mit einer gehörigen Portion Selbstdisziplin einhergehen muss. Es ist ein bisschen wie im Leistungssport. Um seine Ziele zu erreichen, müssen zahlreiche Gewohnheiten verändert oder angepasst werden, manches gehört komplett über Bord geworfen. Insbesondere die oben angesprochenen alten Leitsätze stehen solchen Entwicklungen häufig im Weg. Auf dem Weg zur Erneuerung und hin zum modernen Führen sind daher Willenskraft und Durchhaltevermögen gefragt. Oder, kurz gesagt: Disziplin.

 

4. Das Selbstbild prägt das Führen

Die „gute“ alte Führungskraft verwechselt Führung gern mit Macht. Diese Haltung ist hartnäckig und bei den einen mehr, bei den anderen weniger ausgeprägt. Sie ist aber ein Problem, das sich durch viele Unternehmen auf deren Führungsetagen zieht. Wer seine Rolle als Führungskraft als Machtposition betrachtet, in der er sich gut einrichten kann, wird über kurz oder lang Probleme bekommen. Mit den Mitarbeitern, den Vorgesetzten und letztlich mit sich selbst, denn moderne Führung beruht auf Augenmaß und Empathie. Das bedeutet nicht, dass nicht auch mal das berühmte „Machtwort“ gesprochen wird oder dass unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen, die wie eine Maßnahme der Macht wirken können. Doch eine lernende, disziplinierte Führungskraft verwechselt Führung nicht mit Macht.

 

5. Das soziale Umfeld als Tankstelle

Kraft tanken als FührungskraftDer Mensch ist ein soziales Wesen, ist er alleine, geht er ein. Doch für Führungskräfte gilt darüber hinaus, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Es geht um eine gesunde Mischung, also Familie, Freunde, Kollegen. Und es geht um Unterstützung, Augenhöhe und Ehrlichkeit. Je ehrlicher das Umfeld ist, desto fruchtbarer sind die Beziehungen. Unterstützung gehört genauso dazu wie der kritische Blick auf das eigene Handeln. Führungskräfte, die ihr privates Umfeld als „Testspielfeld“ benutzen, werden das jedoch nicht lange durchhalten, oder besser: das Umfeld wird es nicht tun. Die Trennung zwischen Job und Privatleben ist daher für Führungskräfte besonders wichtig.

 

6. Die pure Willenskraft

Leichter gesagt als getan. Der Wille ist die unbedingte Voraussetzung auf dem Weg zu einer modernen Führungskraft und die Grundlage aller Mindset-Ansätze. Was logisch und selbstverständlich klingt, erweist sich jedoch gerade in schwierigen Momenten als echte Herausforderung, die zu stemmen enorme Kraftanstrengung bedeutet.

Doch aufgeben gilt nicht! Stattdessen ist machen und tun angesagt, immer wieder Gelerntes ausprobieren, ruhig auch mal scheitern und neu anfangen. Ganz wichtig dabei: die Vernetzung mit anderen. Im Zusammenspiel mit anderen Führungskräften, die schon weiter sind oder noch ein paar Schritte hinterherlaufen, entsteht oft ein Austausch, der alle weiterbringt und die unterschiedlichen Stufen, auf der sich die Teilnehmer befinden, verschwinden lassen. Weil jeder weiß, dass alle Lehrende und Lernende sind.

 

Erkennen Sie sich wieder?

Manches mag Ihnen vielleicht als Selbstverständlichkeit erscheinen, anderes nur schwer umsetzbar. Gut möglich, dass Sie in Ihrem Arbeitsalltag Situationen erleben, die diesem Text recht geben, aber auch solche, die scheinbar im krassen Widerspruch zum Artikel stehen.

Ich wüsste gerne, wie Sie zum Ansatz Mindset stehen. Glauben Sie, dass die Mischung aus Emotionalität und Professionalität Sie weiterbringt? Erleben Sie in Ihrem Alltag zu viel des einen oder des anderen? Wie sollte die gesunde Mischung aussehen?

Kommentieren Sie gern, wie Sie es sehen, oder schreiben Sie mir eine Mail. Natürlich können wir auch miteinander telefonieren und persönlich besprechen, wie Ihre Vorstellungen und Wünsche, aber auch Ängste und Skepsis aussehen.

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