Führen auf Augenhöhe bedeutet Balance zwischen Macht und Stärke

Führen auf Augenhöhe: Kommunizieren zwischen Macht und Stärke

Aktualisiert: 30. Jul 2022

Spricht man Führungskräfte auf das Thema Kommunikation an, rollen nicht wenige sofort mit den Augen. Das sei doch nun wirklich eine Selbstverständlichkeit, heißt es dann oft. Und natürlich ist das richtig. Doch gerade in der Kommunikation beim Führen auf Augenhöhe werden nach wie vor viele Fehler gemacht. Fehler, die gravierende Konsequenzen haben können.

Es ist der Klassiker unter den Denkfehlern: Jemand will die Welt verändern, scheitert aber zunächst an seinen eigenen Defiziten. Und so geht der Plan der Weltrettung regelmäßig in die Hose, wenn das, was an der Welt verbessert werden soll, im Kleinen, im Privaten nicht funktioniert. Mit der Kommunikation auf Augenhöhe ist das ähnlich. Sie kann mit anderen nicht gelingen, wenn sie nicht einmal mit sich selbst gelingt.

Augenhöhe vor dem Spiegel

Als Führungskraft Kommunikation vor Spiegel testenDenken Sie manchmal laut, führen Selbstgespräche, wenn Sie sich mit etwas beschäftigen? Das ist völlig normal, jeder von uns macht das. Der innere Dialog oder Monolog kann helfen, die eigene Gefühlslage, den eigenen Standpunkt zu ergründen.

Wenn Sie in einer solchen, unklaren Situation sind, wenn Sie nicht wissen, welche Entscheidung Sie in einem konkreten Fall fällen wollen, probieren Sie es einmal vor dem Spiegel. Stellen Sie sich hin und reden Sie mit sich selbst.  Am Anfang wird Ihnen das vielleicht etwas merkwürdig vorkommen, aber letztlich unterstützen Sie visuell nur das, was Sie ohnehin oft machen.

Wahrscheinlich werden Sie beim Spiegel-Experiment überrascht sein. Viele Menschen werden unsicher, wenn Sie mit sich selbst auf Augenhöhe sprechen wollen. Das hat unterschiedliche Gründe:

  • Im Spiegel nehmen wir uns anders wahr als ohne.
  • Wir achten plötzlich auf unsere Mimik.
  • Wir suchen nach den richtigen Worten.

Steigern Sie das Experiment um einen weiteren Schritt und nehmen Sie das von Ihnen zu Ihnen Gesprochene einmal auf. Vermutlich kriegen Sie einen Schreck, wenn Sie Ihre eigene Stimme hören, denn wenn Sie über ein Medium in Ihre Ohren dringt, klingt das anders. „Anders“ ist in diesem Zusammenhang übrigens sehr interessant, denn das, was Sie hören, wenn Sie sich aufgenommen haben, ist exakt das, was andere hören, wenn Sie sprechen. Die Stimme, die Sie jeden Tag wahrnehmen, wenn Sie kommunizieren, weicht von der, die andere hören, ab. Daher ist dieses Experiment besonders interessant für die eigene Wahrnehmung.

Sprechen Sie mit sich vor einem Spiegel, nehmen Sie Ihre Stimme auf, die Effekte werden Sie beeindrucken.

Das Gegenteil des Dialogs bei Führungskräften

Es mag merkwürdig klingen, aber oft sind es Trainings, die die Dialogfähigkeit behindern. Oder, präziser formuliert: die falschen Trainings. Sicher kann man mit geschulter Rhetorik in Auseinandersetzungen gut bestehen, kann durch ausgefeilte Techniken sein Gegenüber auskontern. Doch das alles hat nichts, aber auch gar nichts mit Dialogfähigkeit und dem Führen auf Augenhöhe zu tun. Führungskräfte, die rhetorisch trainiert sind, stecken manchmal sogar in einer Klemme.

Denn sie bereiten sich während eines Gesprächs häufig schon auf ihren nächsten „Angriff“ vor, legen sich während der Phase des „Zuhörens“ Argumente zurecht und starten dann durch, sobald der Gesprächspartner eine Atempause macht. Man muss kein Genie sein, um zu verstehen, dass auf diese Weise kein Dialog zustande kommt, sondern lediglich die Waffen gewetzt und dann benutzt werden.

Ein richtiger Dialog aber ist geprägt von Offenheit, Neugier, Empathie. Zusätzlich als weitere Disziplin bezeichnet werden kann die Fähigkeit, sich in den Gesprächspartner hineinzuversetzen, seinen Standpunkt einzunehmen. Das bedeutet nicht, mit ihm einer Meinung zu sein, aber eben doch, seine Argumente nachempfinden zu können. Auf diese Weise lernt man viel über das Gegenüber, aber auch über die eigenen Argumente.

Man kann es auf eine einfache Formel bringen: Wenn Sie als Führungskraft nach einem Gespräch genauso viel wissen wie vorher, hat kein wirklicher Dialog stattgefunden. Gehen Sie aber mit neuen Erkenntnissen aus einem Gespräch heraus, fand ein Dialog statt, kein Monolog und kein „Vortrag ohne Gegenwehr“.

Zu einem Dialog gehört interessiertes Zuhören. Alles andere ist Rhetorik.

Die schwache Stärke des Managers

Gespräche auf Augenhöhe bedeutet die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen„Gespräche auf Augenhöhe? Sind für mich Normalität!“ So denkt jetzt die eine oder andere Führungspersönlichkeit und lässt sich nicht gern in die eigene Gesprächsführung „reinquatschen“. Doch schauen wir uns einmal an, was das eigentlich bedeutet: Augenhöhe.

Wer auf Augenhöhe kommuniziert, erkennt bei aufmerksamem Zuhören die Stärken und die Schwächen des Gesprächspartners. Führungskräfte kennen das, sie nutzen die Eigenschaften des Gegenübers unter anderem zur Aufgabenverteilung, aber auch als psychologisches Mittel. Wer die Stärken des anderen kennt und benennt, hat bessere Chancen, auch die Schwächen ansprechen zu können, ohne negative Wirkungen zu erzielen.

Doch Augenhöhe bedeutet eben auch, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen. Und an diesem Punkt verschließen sich Vorgesetzte gern, zumindest hinsichtlich ihrer Schwächen. Sie tragen das Bild der souveränen, unangreifbaren Führungskraft in sich, das möglichst nicht angekratzt werden darf.

Nur: So funktioniert es nicht. Denn das hat eben nichts mit Augenhöhe zu tun. In der Konsequenz agiert die betroffene Führungskraft weit entfernt von der Augenhöhe und begibt sich auf eine höhere Stufe der Hierarchie. Das ist als Manager recht leicht umzusetzen, führt in der Kommunikation aber nicht weiter.

Augenhöhe bedeutet, auch die eigenen Schwächen und Stärken zu erkennen und einfließen zu lassen.

Macht und Stärke: Bitte nicht verwechseln!

Wer Stärke zeigt, braucht sich an Macht nicht abzuarbeiten. Stärke ist Kraft, Macht eher Unterdrückung, so könnte man es (natürlich verkürzt) bezeichnen. Eine Führungskraft, die mit ausreichender Stärke ausgestattet ist – und somit auch mit dem benötigten Maß an Selbstvertrauen – wird seinem Team gegenüber Schwäche zeigen können, ohne dabei die Stärke der natürlichen Autorität zu verlieren.

Folgende Fragen können Ihnen helfen, den feinen Unterschied zwischen Macht und Stärke zu erkennen:

  • Bin ich in Gesprächen sowohl mit mir als auch mit meinem Gesprächspartner auf Augenhöhe?
  • Versuche ich, meine eigene Wahrnehmung und Einordnung zu verlassen und mich auf die Erlebniswelt des anderen einzulassen?
  • Trage ich in mir ein ehrliches Interesse an der Meinung des anderen?
  • Steht für mich das „Wir“ im Vordergrund, oder sehe ich nur das „Ich“, weil ich denke, dass nur das zum Ziel führt?
  • Fühle ich mich in der Lage anzuerkennen, dass etwas bei näherer Betrachtung doch anders ist als ich dachte?

Macht und Stärke sind nicht miteinander verwandt, sie drücken vielmehr vorhandenes oder fehlendes Selbstvertrauen aus.

Und Sie? Auf Augenhöhe?

Haben Sie Kommunikation auf Augenhöhe schon einmal aus dieser Perspektive betrachtet? Und können Sie den hier zugrundeliegenden Thesen zustimmen? Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren Gesprächspartnern gemacht?

Schreiben Sie gern einen Kommentar oder mailen oder rufen Sie mich an. Dann sprechen wir darüber, was Sie an sich und Ihrem Führungsstil noch verbessern können. Auf Augenhöhe, das versteht sich von selbst!

Sie fühlen sich unsicher beim Führen auf Augenhöhe?

Dann lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wo es „klemmt“ und wie auch Sie selbstbewusst auf Augenhöhe kommunizieren und führen können.
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