Authentizität zeigen als Führungskraft ja, aber angemessen

Authentizität bei Führungskräften: Fluch oder Segen?

Aktualisiert: 28. Jul 2022
Es gibt Leute, die stolpern schon bei der Aussprache des Wortes „Authentizität“. Und das ist auch kein Wunder bei so tückischen „Thentizitäten“. Viel spannender ist aber die Frage danach, wie viel davon sich Führungskräfte erlauben können oder sollten. Hier gehen die Meinungen durchaus in unterschiedliche Richtungen. 
 
„Sei spontan!“ ist ein klassischer Widerspruch in sich. Denn setzt man diese Forderung um, handelt es sich um planvolles Verhalten. Das wiederum ist eben nicht spontan, man kann es drehen und wenden, wie man will. „Sei authentisch!“ ist ähnlich problematisch, denn wir neigen schnell dazu, in eine Rolle zu schlüpfen, wenn dieser Wunsch an uns herangetragen wird. Während wir wirklich spontan auch tatsächlich authentisch sein können, scheitert es bei dem bewussten Versuch, beides zu sein. 

Was ist Authentizität?

Was bedeutet Authentizität für FührungskräfteDoch was genau ist das eigentlich: Authentizität? Man könnte es mit „Sein wie man ist“ übersetzen. Aber da fängt das Problem auch schon an. Denn im Berufsleben haben wir gewisse Funktionen, Aufgabenstellungen, und als Führungskraft wird von uns erwartet, dass wir eine bestimmte Ausstrahlung haben. Wir sollen nicht nur eine natürliche Autorität mitbringen, sondern auch in stürmischen Zeiten souverän am Steuer stehen und in Konfliktsituationen klärend einwirken. Kann das allein mit authentischem Agieren gelingen?
 
Feststeht: Authentizität macht die Menschen glücklicher. Sie kann aber auch zu Konflikten führen. Plötzliche Gefühlsausbrüche mögen heilsam sein, wenn sie im privaten Umfeld stattfinden, man frisst etwas nicht in sich rein, sondern lässt seinen Gefühlen freien Lauf. Das tut gut, ohne Frage. 
 
In der Arbeitswelt muss das aber nicht gut sein, und auch nicht guttun. Differenzieren wir also an dieser Stelle ein wenig und unterscheiden zwischen reflektierter und unreflektierter Authentizität. Die reflektierte Authentizität ist im Grunde das Handwerkszeug eines guten Chefs. 
Er tritt gegenüber seinen Mitarbeitern so authentisch auf, dass diese seine echte Persönlichkeit erkennen können. Das komplette Spielen einer Rolle – welcher Art auch immer – ist kontraproduktiv, es sei denn, Sie sind Robert De Niro, der das überzeugend darstellen könnte. 
 
So viel schauspielerisches Talent setzen wir an dieser Stelle aber nicht voraus. Daher ist die reflektierte Authentizität die beste Wahl, die Sie treffen können. Sie bleiben ehrlich, authentisch, wirken nicht wie eine Puppe oder ein Roboter, haben sich aber trotzdem im Griff und können professionell auf Situationen reagieren. 

Authentizität ist auch im Beruf für Führungskräfte eine gute Sache. Allerdings sollten Sie darauf achten, es mit der reflektierten Authentizität zu versuchen.

Eine erschreckende Studienlage 

Authetizität und Selbswahrnehmung zeigen DifferenzenNun könnte man sagen: „Ok, ich konzentriere mich auf die reflektierte Authentizität, dann passt es schon.“ Doch die Grenzen zwischen den beiden Bereichen sind teils fließend, und die Selbstwahrnehmung ist oft eine andere als die Fremdwahrnehmung. 
 
Schauen wir uns diese Selbstwahrnehmung einmal etwas genauer an. In den USA fanden 136 Studien mit insgesamt 23.000 Teilnehmern statt, die nach ihrer Selbstwahrnehmung in folgenden Bereichen befragt wurden: 
  • Ich verhalte mich stets so, wie es meinen wahren Überzeugungen, Werten und Gefühlen entspricht
  • Ich trete in jeder Situation so auf, wie ich wirklich bin.
  • Meine Meinung zu ändern, um anderen Menschen zu gefallen, kommt für mich nicht in Frage.

Die Auswertung der Befragungen ergab, dass Menschen, die sich die eben genannten drei Attribute zuschreiben, im Beruf meist weniger Erfolg haben. Gut möglich, dass es an der unreflektierten Authentizität liegt, von der hier bereits die Rede war.

Doch der Autor der Studien, Adam Grant, stellte seinerseits drei Theorien auf, die äußerst spannend sind:

 

  1. Mit sich selbst im Reinen: Natürlich ist es schön und ein Zeichen von Authentizität, mit sich zufrieden, im Reinen zu sein. Für die Psyche ist das eine Wohltat. Doch wer sich rundum glücklich und zufrieden fühlt, wird nur wenig Interesse daran haben, etwas zu ändern. Den inneren Status Quo am Laufen zu halten, hat also nicht nur Vorteile, weder im privaten noch im beruflichen Alltag. Ob nun Führungskraft, Angestellter oder auch zum Beispiel Sportler – für jeden Menschen ist es erstrebenswert, nicht auf der Stelle stehen zu bleiben, sondern sich weiterzuentwickeln. Mit sich selbst im Reinen zu sein, ist also nur eingeschränkt optimal.
  2. Nicht zu viel Authentizität: Nicht bewiesen, aber dennoch nicht weniger spannend ist die zweite Theorie von Adam Grant. Er geht davon aus, dass zu viel Authentizität auf einmal destruktiv wirkt. Er meint damit, dass es undenkbar ist, wenn in einem Unternehmen alle Mitarbeiter zu 100 Prozent authentisch sind. Mehr noch: Viele Angestellte, so vermutet Grant, verlieren mit zunehmender Authentizität ihres Chefs das Selbstvertrauen, fühlen sich minderwertiger. Hinzu kommt erschwerend: Je authentischer der Manager agiert, desto weniger authentisch verhält sich der Mitarbeiter. Diese Theorie ist – wie gesagt – nicht bewiesen, es spricht aber einiges für sie.
  3. Ausgesprochene Geheimnisse: Grants dritte Theorie lautet, dass Menschen mit zu viel Authentizität zu viel von sich preisgeben. Ein Chef, der sein Herz auf der Zunge trägt, übermittelt eine Menge Informationen, vielleicht auch zu viel davon. Laut Grant neigen Menschen, die großen Wert auf Authentizität legen, dazu, viel Privates von sich zu verraten. Das kann durchaus in professionellen Situationen brisant werden, etwa, wenn ein Konkurrent sich entscheidet, die Informationen gegen seinen Widersacher einzusetzen.

Authentizität kann zu sinkender Motivation bei Führungskräften führen, aber auch zu zu viel Selbstzufriedenheit, was sich negativ auf die Karriere auswirken kann.

Die andere Seite: Perfektion im Netz 

Authentisch ja aber ehrlich keine Perfektion vorgaukelnZusammenfassend kann man sagen, dass Ausgewogenheit beim Thema Authentizität bei Führungskräften das A & O ist. Wer also reflektiert authentisch ist, hat gute Chancen, auch als Chef einen guten Stand zu haben. Doch es fehlt hier noch ein Blick auf ein Phänomen, das sich besonders im Zeitalter der sozialen Medien entwickelt hat. 
 
Die Rede ist von Perfektion. Sie ist allgegenwärtig, auf Facebook, Twitter, bei Instagram, LinkedIn und Co. Die Profile dort wimmeln nur so von perfekten Körpern, dem perfekten Essen, dem perfekten Sporterlebnis, dem perfekten Management, dem perfekten Chef. 
 
Schwer ist das nicht, lassen sich doch Fotos nachträglich bearbeiten und Situationen in den schönsten Farben zeigen. Vieles davon ist das genaue Gegenteil von Authentizität, kann aber aufgrund von Authentizität dennoch zur Gefahr werden. 
 
Das mag unsinnig klingen, aber wenn auf der einen Seite der Versuch gemacht wird, sich in besonders gutem Licht darzustellen und auf der anderen Seite unbedacht intime oder zweideutige Gedanken, Bilder oder Filme online gestellt werden, kann sich eine schwierige Lage daraus ergeben. 
 
Das perfekte Foto am Strand oder die perfekte Demonstration eines neuen Anzuges mag eine gewisse Wirkung erzielen, doch die verfliegt schnell. Inhalte, die negativ auffallen, haben dagegen eine deutlich längere Halbwertzeit. Wer also etwa nach einer beendeten Beziehung eine Weile lang traurige Bilder und Statements postet, kann ganz schnell als notorisch „schlecht drauf“ identifiziert werden. Ob das der Realität entspricht, ist weniger wichtig als die Tatsache, dass hier eine unstimmige Realität geschaffen wird. 

Perfektion als Gegenentwurf von Authentizität ist keine sehr gute Idee, zu viel Mitteilungsbedürfnis in sozialen Medien aber auch nicht. Die Wahrheit liegt – wie so oft – in der Mitte.

Weitere Literatur:

Authentizität im Job: authentisch sein, aber richtig

Warum Authentizität dich deine Karriere kosten kann

Authentisch und flexibel führen ohne sich zu verbiegen

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