Aktualisiert: 13. Jun 2020

Man könnte ganze Bibliotheken mit Büchern über die Motivation von Führungskräften füllen. Denn die müssen nicht nur andere motivieren, sondern vor allem sich selbst.

Das gelingt – mehr oder weniger gut – durch Geld, Goodies und einigen Freiheiten, die der Führungskraft eingeräumt werden. Doch dieses Herangehen stößt an seine natürlichen Grenzen, wenn sich der Führungskraft der Sinn ihrer Aufgabe nicht erschließt.

Sprechen wir also ein wenig über den Sinn des Lebens. Als Führungskraft. Und als Mitarbeiter.

Der Mensch als Maschine; die Führungskraft in der Zwickmühle

Viele Unternehmen schreiben sich Slogans wie „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ auf die Fahne. Doch wenn nur ein laues Lüftchen weht, hängt ebendiese Fahne träge herum.

Denn jeder Slogan ist nur so wirksam wie die gelebte Praxis, die dahintersteht. Und die sieht oft deutlich trister aus, als es in Tschaka-Tschaka-Veranstaltungen oder Hochglanzbroschüren versprochen wird.

Im Alltag des Berufslebens gehen die hehren Ziele schnell verloren. Bald heißt es dann von der Unternehmensseite aus, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens (oder: der Arbeit) im Verantwortungsbereich der Führungskraft liege.

Schließlich sei das eine sehr individuelle Frage, die nur jeder für sich selbst beantworten kann. Doch so billig kommen die Chefetagen und Aufsichtsräte aus der Nummer nicht heraus.

Sicher ist es eine persönliche Entscheidung, wenn wir an die Wiedergeburt als Wurm oder stolzer Löwe glauben. Nicht weniger individuell ist der Entschluss, sich ohne Fleisch zu ernähren oder auf Plastiktüten zu verzichten. Derlei Festlegungen können einen Teil der Frage nach dem Sinn des Lebens ausmachen. Allerdings sind das sehr private Entschlüsse.

Doch Führungskräfte brauchen auch im Job einen Sinn. Warum tun sie, was sie tun? Was bringt es dem Unternehmen und der Führungskraft? Wie kann die Arbeit noch sinnstiftender gestaltet werden?

Statt Antworten auf diese Fragen zu geben, herrscht in der Praxis die Erwartungshaltung vor, die Führungspersönlichkeit möge funktionieren, die vorgegebenen Zahlen und die festgesetzten Ziele erreichen.

Und so entwickelt sich ein „Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Prinzip“, das die Führungskraft jeden Morgen mit dem Gefühl aufstehen lässt, sich in einem Hamsterrad (oder eben: Murmeltierrad) zu befinden, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Die Folge ist dann eher nicht das erhabene Gefühl, sinnstiftende Arbeit zu leisten. Sondern Burn-out oder Schlimmeres.

Die noble Botschaft von Unternehmen, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, ist oft nicht mehr als ein reines Lippenbekenntnis.

Der Wunsch nach dem Sinn steckt in uns

Der Wunsch, in seinem Tun einen Sinn zu erkennen, muss nicht künstlich erzeugt werden, er ist in jedem Menschen vorhanden.

Der österreichische Psychiater Viktor Frankl geht sogar so weit, dass er voraussetzt, das Streben nach dem Sinn sei die primäre Triebfeder des Menschen. Frankl geht von drei Prämissen aus:

 

  1. Der freie Wille: Jeder Mensch ist mit einem freien Willen ausgestattet. Er wählt also selbst, wie seine Haltung zu dem ist, was in seiner Umwelt passiert.
  2. Sinn ergibt sich nur aus dauerhaften Werten: Es sind die sinnvollen Momente, die uns zum Sinn des Lebens führen. Wir wollen etwas Nützliches tun, brauchen den zwischenmenschlichen Kontakt und das (glaubhafte!) Gefühl, in einem Umfeld zu arbeiten, das uns den Sinn unserer Handlungen aufzeigt.
  3. Die universelle Ethik als sinnstiftendes Element: Unsere Werte und unser Gewissen müssen miteinander im Einklang sein. Erst, wenn unser Selbst- und Weltbild als gerecht empfunden werden, empfinden wir das, was wir tun, als sinnvoll.

Der freie Wille also, dauerhafte Werte und eine universelle Ethik – das deckt sich kaum mit dem Prinzip „Goodies und Geld“. Daher funktionieren auch Anreize über Geld oder andere Belohnungen nur bis zu einem gewissen Punkt. Natürlich muss der Mensch leben, natürlich braucht er dafür Geld, möglichst so viel, dass er davon ein komfortables Leben führen kann.

Doch wer einmal  darüber gelesen hat, wie „schwer“ es reiche Menschen haben, wenn sie den Sinn ihres Lebens nicht erkennen, der wird zustimmen, dass Geld eben doch nicht alles ist (wobei das Fehlen von Geld aber alles erheblich schwerer macht).

Der Wunsch nach einem Sinn lässt sich nicht mit Goodies erfüllen. Der Mensch braucht etwas Sinnstiftendes, das über diesen Dingen steht.

Menschen wollen Spuren hinterlassen – Führungskräfte auch

Nicht jeder hat die Fähigkeit, eine Sinfonie wie Beethoven zu schreiben oder Theorien wie die von Albert Einstein zu entwickeln. Dennoch vereint die Menschen der Wunsch, Spuren zu hinterlassen.

Das kann ein besonderer Kontakt zu den Kunden sein, es können Ideen zur Verbesserung von Arbeitsabläufen sein oder auch Hinweise auf Fehler.

Für Führungskräfte wie auch für Mitarbeiter gilt, dass sie nach einem Arbeitstag etwas erreicht haben wollen. Das müssen nun wahrlich nicht jeden Tag Höchstleistungen sein, aber es muss doch spürbar sein und das Gefühl von Teilnahme und Wertschätzung beinhalten.

Denn wir wollen nicht nur morgens gerne aufstehen. Sondern auch abends gerne schlafen gehen. Weil der Tag uns etwas gebracht hat, und dieses Etwas ist: Sinn.

Sehen Sie den Sinn Ihrer Arbeit?

Mal ganz ehrlich: Sehen Sie als Führungskraft in Ihrer Arbeit einen Sinn? Oder funktionieren Sie bloß? Und wie steht es um Ihre Mitarbeiter? Können Sie bei denen Sinn stiften? Bleibt für diese Frage überhaupt die Zeit?

Die Sinnfrage ist immer eine große, und sie erfordert eine Auseinandersetzung mit ihr. Mich würde interessieren, wie Sie dieses Thema behandeln. Schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen!

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