Aktualisiert: 09. Jun 2020

Konsequenz, das f├Ąllt mir t├Ąglich in Coachings oder Mentorenprogrammen auf, wird oftmals negativ besetzt und mit “Strenge” gleichgesetzt. Schade, denn Konsequenz ist etwas fantastisches, was Einzelpersonen und ganze Unternehmen weiterbringt.

Heute berichte ich Ihnen aus dem Alltag eines Unternehmenscoachings, in dem Konsequenz eine wesentliche Rolle gespielt hat. Alle Namen und Geschlechter sind ge├Ąndert worden. Zum Schluss erhalten Sie einige goldene Regeln an die Hand, mit denen Sie Konsequenz auch in Ihrem Alltag etablieren.

Kommunikation ging auf halber Strecke verloren

Silke Geyer, Teamleiterin in der Feld KG in Marburg, erkl├Ąrte: “Irgendwie hatte ich fr├╝her im das Gef├╝hl, als fehle es an einem Mittler, der zwischen den Hierarchiestufen kl├Ąrt”. Gab es etwas zu kommunizieren, nahmen die Informationen seltsam verschlungene Wege im Unternehmen, bis sie dann ihren wahren Adressaten erreichten. Unguter Weise blieben wichtige Aspekte der Ursprungsinformation immer wieder auf der Strecke.

“Die Verantwortlichen wurschtelten sich eher durch Situationen durch”, findet Klaus Rehder als Leiter der Prozess- und Qualit├Ątsoptimierung der Feld KG. Das hat sich heute gl├╝cklicherweise ge├Ąndert: “Heute gehen wir direkt ins Gespr├Ąch und haben vollen Ein- und ├ťberblick ├╝ber die Abl├Ąufe”, findet Teamleiterin Geyer.

F├╝hrung braucht ein gemeinschaftliches Bild

In der Feld KG kamen mehrere Baustellen zusammen: zu oft wurden Einzelf├Ąlle betrachtet, zu selten wurden Entscheidungen durchgesetzt und belastend war die Tatsache, dass Unklarheit ├╝ber die Kompetenzen der F├╝hrungskr├Ąfte herrschte: was d├╝rfen F├╝hrungskr├Ąfte, was nicht?

In eben diesem Gemenge entstand bei Gesch├Ąftsf├╝hrer Norman Feld der Wunsch, nicht nur die interne Kommunikation zu optimieren, sondern auch mehr Verbindlichkeit ins Tagesgesch├Ąft einziehen zu lassen. Zun├Ąchst mussten Werks-, Teamleiter und Gesch├Ąftsf├╝hrer in einen Dialog gebracht werden.

Dies diente dem Finden einer gemeinsamen Definition, eines gemeinschaftlich getragenen Bildes der F├╝hrungskr├Ąfte. Wir besprachen verschiedene Perspektiven und ber├╝cksichtigten entsprechende Begrenzungen. Genau hier begann das Thema Konsequenz in der Feld KG: worauf kommt es beim t├Ąglichen Zusammenarbeiten langfristig an? Das Dranbleiben an Planungen sowie das Einhalten von Vereinbarungen oder Standards, vor allem vonseiten der F├╝hrungskr├Ąfte, ist Konsequenz.

Warum vor allem vonseiten der F├╝hrungskr├Ąfte? Weil Sie Vorbildfunktion haben. Leben Sie verbindlich vor, werden Ihre Mitarbeiter wissen: der tut, was er sagt. Ihre Mitarbeiter erkennen, dass Sie sowohl die Sache als auch Ihre Mitarbeiter ernst nehmen.

F├╝hrungskr├Ąfte halten konsequent den Handlungsrahmen ein

Aus dieser Vorbildfunktion heraus verstanden die F├╝hrungskr├Ąfte der Kern KG, welche Verantwortung sie dabei ├╝berhaupt tragen. Es geht nicht ausschlie├člich um Konsequenz beim Umsetzen von Projekten. Es geht auch um konsequentes Delegieren und um konsequentes Loslassen. Erst in dem Moment, in dem die F├╝hrungskr├Ąfte der Kern KG ihren Handlungsrahmen genau kannten, konnten sie ihn optimal ÔÇô und konsequent ÔÇô ausf├╝llen. Man kann auch sagen: aus dem “Sollen und M├╝ssen” wurde ein “K├Ânnen und D├╝rfen” ÔÇô eine Neuerung, die auch die Mitarbeiter einzelner F├╝hrungskr├Ąfte z├╝gig als Selbstverst├Ąndlichkeit verstanden.

In einem Startworkshop nahmen rund 25 F├╝hrungskr├Ąfte und Mitarbeiter teil. Die F├╝hrungskr├Ąfte wurden angehalten, sich in kleinen Gruppen mit Mitarbeitern mit der eigenen Rolle als F├╝hrungskraft zu befassen. Wenngleich wir vermeintlich Themenfremdes wie Gespr├Ąchsf├╝hrung oder Delegieren und Priorit├Ątensetzung in Rollenspielen durchgef├╝hrt haben, war auch immer Konsequenz ein Thema.

Etwa bei den Priorit├Ąten: wie konsequent verfolgt man ein Priorit├Ąt-1-Projekt, wenn es pl├Âtzlich an anderer Stelle brennt? Oder auch beim Delegieren: F├╝hrungskr├Ąfte, die ihren Mitarbeitern wenig vertrauen, k├Ânnen nicht konsequent delegieren. Immer wieder schauen sie st├Ârend ├╝ber die Mitarbeiterschulter, ob denn das Delegierte auch sch├Ân nach den eigenen Vorstellungen abgearbeitet wird. In der Zwischenzeit liegt das Priorit├Ąt-1-Projekt unbearbeitet da. So geht Konsequenz nicht.

Einfache Umsetzung von Konsequenz im F├╝hrungsalltag

Durch die lockere Rollenspielsituation konnte Gelerntes sofort in den Alltag ├╝bernommen werden. Am Abschlusstag unseres Workshops pr├Ąsentierte die Gesch├Ąftsf├╝hrung Modelle, die sie mit den F├╝hrungskr├Ąften ausgearbeitet hatte. Die Resonanz der Mitarbeiter war durchweg positiv.

Viel wichtiger jedoch als eben diese Resonanz war die Energie, die sich aus all dem freisetzte: S├Ąmtliche Beteiligten waren mehr als bereit, erarbeitete Vorschl├Ąge in den Alltag zu transferieren. Somit konnten wir in die Bearbeitung von tats├Ąchlichen Praxisprojekten gehen, bei der konsequent alles Besprochene umgesetzt werden sollte.

Interessanter Weise zeigte sich nach erfolgreichem Etablieren der Regeln im Alltag, dass die zuvor bem├Ąngelte Unsch├Ąrfe der F├╝hrungskr├Ąfte tats├Ąchlich einem fehlenden Rollenbild geschuldet war. Das ist ein gutes Beispiel f├╝r Inkonsequenz ÔÇô lapidar dargestellt: wir wissen nicht was, also machen wir einfach mal ÔÇô wenn es zu brenzlig wird, ziehen wir uns bequem zur├╝ck.

In diesem Sinne haben wir uns entschieden, Prozesse durchg├Ąngig zu regeln. Konsequent werden diese nun auf jeder F├╝hrungsstufe gelebt und gemeinschaftlich wird ebenso konsequent f├╝r deren Einhaltung gesorgt.

Konsequenz leben: die Folgen

Einige Monate, nachdem wir die Neuerungen in der Kern KG etabliert hatten, kam ich zu einem Abschlusstermin ins Unternehmen nach Marburg. Ich habe einige Stimmen eingefangen, beispielsweise die der F├╝hrungskraft Mike Randolf: “Unser ganzes Miteinander, sowohl unter den F├╝hrungskr├Ąften als auch zwischen Mitarbeitern und F├╝hrungskr├Ąften, hat sich gewandelt. Ein gemeinsames Bild von F├╝hrung und die offizielle Ansage, dass wir uns als F├╝hrungskr├Ąfte in unseren Kompetenzen entfalten d├╝rfen, hat das meiner Meinung nach vorangetrieben.”

Randolf war anfangs sehr skeptisch, jedoch packte ihn das Coaching besonders im Bereich der Rollenspiele: “Die fiktiven Situationen aus dem Workshop wiederholen sich in meinem Alltag in vielen Variationen. Ich f├╝hle mich vorbereitet, denn das spielerische Umsetzen machte Spa├č und war ├Ąu├čerst hilfreich. Genauso spielerisch und frei kann ich meiner Rolle als F├╝hrungskraft heute nachkommen ÔÇô und trotzdem konsequent bleiben”, erkl├Ąrt Randolf.

Ist doch mal jemand mit seinem F├╝hrungslatein am Ende, nutzt er das Wissen seines Netzwerks im Unternehmen: das der anderen F├╝hrungskr├Ąfte. Randolf ist gl├╝cklich ├╝ber diese Entwicklung: “Fr├╝her hat jeder sein eigenes S├╝ppchen gekocht, ich kannte einige Kollegen nicht mal beim Namen. Heute reden wir viel miteinander, helfen einander und sorgen gemeinschaftlich daf├╝r, dass Abl├Ąufe runder werden.”

F├╝nf goldene Regeln f├╝r gelungene Konsequenz

Sie sehen in unserem kleinen Ausflug ins Coaching der Marburger Kern KG, was Konsequenz meint: auf eine Handlung folgt eine Konsequenz, die vorher jedoch klar sein muss. Ideen werden genauso konsequent, also ausdauernd, verfolgt wie auch das Delegieren mit Konsequenz umgesetzt wird. Jeder kennt seinen Handlungsspielraum und ein Miteinander ist entstanden, von dem alle Hierarchieebenen gleicherma├čen profitieren.

Konsequenz kann man gl├╝cklicherweise lernen.

Die folgenden 5 goldenen Regeln weisen Ihnen einen ersten Weg:

1. Z├╝gig ansprechen: Bemerken Sie st├Ârendes Verhalten, sprechen Sie dies z├╝gig an! Z├╝gig hei├čt: sp├Ątestens nach dem zweiten Auftreten sprechen Sie das Verhalten unter vier Augen an und lassen die Dinge nicht schleifen.

2. Deutlichkeit: Bleiben Sie sachbezogen und fair. Sprechen Sie anhand von eigenen (!) Beobachtungen das Problem an und verdeutlichen Sie die Folgen dieses Problems.

3. Schrittweise agieren: H├Âren Sie sich die Erkl├Ąrungen des anderen in Ruhe und wertfrei an, um seine Perspektive zu verstehen. Bleiben Sie dann am Thema dran: was muss ge├Ąndert werden? Wie sind die jeweiligen Erwartungen? Welche Schritte f├╝hren zum Ziel? Agieren Sie kleinschrittig, ist das konsequente Dranbleiben fast schon geschafft.

4. Herausfordernd st├Ąrken: Sie k├Ânnen gleichzeitig Selbstst├Ąndigkeit f├Ârdern und herausfordern, wenn Sie Ihr Gegen├╝ber fragen, wie sein Beitrag zur L├Âsung aussehen k├Ânnte. Was ist der Betroffene bereit zu tun, damit ein Missstand aufh├Ârt?

5. Ziele und Konsequenzen: Nachdem alle Punkte gekl├Ąrt sind, schlie├čen Sie eine Art Vertrag: Sie erkl├Ąren als F├╝hrungskraft, wie Sie positives Verhalten unterst├╝tzen, etwa durch Feedback und Anerkennung. Zugleich weisen Sie jedoch aufKonsequenzen hin, die beim Nichteinhalten eintreten: was wird passieren, wenn sich keine positiven ├änderungen auftun?

In diesen f├╝nf Schritten st├Ąrken Sie Ihre eigene Konsequenz. Sp├╝ren Sie, dass Sie konkrete Unterst├╝tzung ben├Âtigen, f├╝hlen Sie sich frei, mich anzusprechen ÔÇô gemeinsam finden wir einen Weg aus der Inkonsequenz!

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