Aktualisiert: 14. Apr 2020

In der Corona-Krise ist die Arbeit im Home-Office groß im Kommen. Wer immer kann, erledigt seinen Job von zu Hause aus, so bleibt der Arbeitsplatz erhalten und die Unternehmen können weiter existieren, ohne in Existenznöte zu kommen.

Für Führungskräfte erfordert das aber auch ein anderes Führen. Jetzt brauchen Sie einen neuen Ansatz, sich um ihre Mitarbeiter kümmern zu müssen.

Denn Home-Office bedeutet eben nicht, sich in aller Ruhe vor den Rechner zu setzen. Die Arbeit von zu Hause aus bringt gerade für Ihre Mitarbeiter eine Menge Herausforderungen mit sich.

Corona und Home-Office: Der verunsicherte Mitarbeiter

Ach, wenn es doch so einfach wäre! Ein Mitarbeiter zieht einfach vom Büro nach Hause um und macht dort seinen Job. Nun ist das aber alles andere als leicht, denn insbesondere für Mitarbeiter, die noch nie im Home-Office gearbeitet haben, ist diese neue Aufgabenstellung eine Herausforderung. Und zwar schon ohne die Corona-Krise.

Am besten lässt es sich arbeiten, wenn man entspannt ist, keine Sorgen hat und sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann. Doch davon sind wir weltweit Lichtjahre entfernt. Für die Führungskraft heißt das, sich seinen Mitarbeitern in sehr unterschiedlichen Facetten widmen zu müssen.

Da ist zunächst einmal die Unsicherheit. Von wegen Entspannung! In der Zeit, die wir durchleben müssen, sind Sorgen und Ängste die maßgeblichen Taktgeber. Teams stellen sich die Fragen

  • ob ihr Job überhaupt noch sicher ist
  • ob die Bezahlung in voller Höhe sichergestellt ist
  • ob sie womöglich selbst infiziert sind
  • was aus der Firma wird.

Hinzu kommt der fehlende Kontakt zu anderen Mitarbeitern. Es gibt also eine Menge zu tun für Führungskräfte in Zeiten von Corona.

Daher erhalten Sie hier fünf Tipps, wie Sie Ihre Mitarbeiter stärken können.

Tipp 1: Sorgen Sie für kontinuierlichen Kontakt mit Ihren Mitarbeitern  

In erster Linie gilt: Rituale, Rituale, Rituale! Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, sind ziemlich „einsame Wesen“ (oder „überforderte Wesen“, wenn den ganzen Tag die Familie um sie herum ist). Rituale sind daher äußerst wichtig, um Bezugspunkte zu erstellen. Geben Sie als Führungskraft bestimmte Rituale vor. Zu unterscheiden ist hier der Kontakt zum Team und der zu einzelnen Mitarbeitern.

Kontakt zum Team:

  • ein morgendliches Kurzmeeting mit allen Teammitgliedern
  • regelmäßiger Austausch mittels Videokonferenzen oder -treffen
  • ein abendliches Abschlusstreffen (ebenfalls per Video, damit sich alle sehen können)
  • klare Formulierungen von Erwartungen und Aufgabenverteilung

Natürlich sollten Sie Führungskraft auch in der  Zwischenzeit für das Team da sein, allerdings nicht ständig. Ihre Regel: Sie sind für Ihre Mitarbeiter erreichbar, aber nicht zu jeder Zeit ansprechbar. Das ist wichtig, weil

a) die Mitarbeiter auch sonst kein Exklusivrecht auf 100% Ihrer Zeit als Führungskraft haben und

b) Sie als Führungskraft ebenfalls Aufgaben stemmen müssen, von denen Sie sich nicht bei jeder Gelegenheit abhalten lassen dürfen.

 

Kontakt mit dem einzelnen Mitarbeiter:

  • ein Zeitfenster für persönliche Gespräche, das maximal 30 Minuten geöffnet ist
  • die Gelegenheit für Mitarbeiter, über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen
  • eine positive Grundstimmung.

Die positive Grundstimmung schreibt sich so leicht dahin, aber es ist eine Herausforderung. Denn einerseits sollte niemand in einem „Sumpf aus Sorgen“ untergehen. Andererseits bringt es aber auch nichts, als „Verharmloser“ aufzutreten. Achten Sie hier auf ein gesundes Mittelmaß.

Holen Sie ihren Mitarbeiter aus seinen Sorgen, aber bleiben Sie ehrlich. Wenn Sie jetzt nicht wissen, was die nahe Zukunft bringt, wie genau es in ihrem Unternehmen weiter geht, dann sagen Sie das auch.

Zusammenfassung: Teams und einzelne Mitarbeiter brauchen für die Arbeit im Home-Office besondere Aufmerksamkeit und entsprechende Maßnahmen auf Seiten der Führungskraft.


Von der Süddeutschen Zeitung wurde ich zum Thema “Führen aus dem Home-Office” interviewt.

Lesen Sie hier »  Wie führt man ein Team aus der Ferne?


Tipp 2: Die Meetingstruktur

Gerade wenn Meetings online stattfinden, brauchen Sie eine feste Struktur, Regeln, die allen Teilnehmern bekannt sind. Und Sie sollten als Meetingsleiter*in ganz deutlich durch das Meeting führen.

So könnte das ablaufen:

Beginnen Sie Meeting mit einem kurzen Smalltalk, auch (und gerade), wenn es online stattfindet. Der Smalltalk online sollte möglichst zwei Minuten nicht übersteigen. Sie laufen sonst Gefahr, dass sich alle Beteiligten „festreden“ oder abschweifen.

Dann FÜHREN  Sie durch das Meeting mit konkreten Fragestellungen an die Mitarbeiter:

Was hast du dir gestern vorgenommen?

  • Was davon konntest du umsetzen?
  • Was hat nicht geklappt?
  • Was hast du dir für heute vorgenommen?
  • Was brauchst du von mir / oder uns?

Selbst wenn Sie sich online treffen und sich via Video auch sehen können, ist ein Meeting ohne körperliche Anwesenheit einfach etwas anderes. Legen Sie den Fokus daher konsequent auf konkreten Aufgabenstellungen und Fragen.

Tipp 3: Die richtige Struktur mit dem Mitarbeiter aufbauen

Manches mag Ihnen jetzt vielleicht ein bisschen „kindisch“ erscheinen, haben Sie es doch mit gestandenen Persönlichkeiten zu tun, denen man die Basics eigentlich nicht mehr beibringen muss.

Doch in einer Krise ticken die Menschen anders, und wer noch nie im Home-Office gearbeitet hat, erliegt oft kleinen Fallen. Daher besprechen Sie mit Ihrem Mitarbeiter ein paar Regeln, geben Sie Ihm Tipps, mit denen er sein Home-Office-Arbeiten sicher bewältigen kann:

  1. Morgens genauso früh aufstehen wie zu normalen Büroarbeitszeiten. Das Arbeiten zur gleichen Zeit beginnen, wie er es im Firmenbüro auch tun würde.
  2. Die Aufgaben für den nächsten Tag bereits am Vortag schriftlich formulieren (To do Liste) und zeitlich zuordnen (Tagesplanung).
  3. Ein gewisser Dresscode hilft. Es muss nicht der sonst übliche Businessdress sein. Doch im Schlaf- oder Jogginganzug besteht das Risiko hin und wieder in eine gewisse Sorg- und Disziplinlosigkeit zu rutschen.
  4. Wichtig sind ein passender Raum bzw. Arbeitsplatz. Gutes Sitzen an einem entsprechenden Tisch verhindert schnelles Ermüden. Ein fürs Arbeiten bestimmter Platz erleichtert das Reinkommen in den Arbeitsmodus.
  5. Klare Grenzen ziehen zwischen Arbeitszeit und privater, freier Zeit.

Dazu noch ein paar Ergänzungen:

  • Die Familie muss ins Boot geholt werden. Für Kinder (häufig auch für der/die Partner/in) muss deutlich werden, dass eine gewisse Zeit Arbeitszeit bedeutet, selbst wenn das Ganze zu Hause stattfindet. Diese Trennung von Arbeit und Freizeit fällt nicht immer leicht, da das räumliche Umfeld eigentlich für Familie und Freizeit reserviert ist.
  • Die Disziplin leidet besonders bei unangenehmen Aufgaben. Muss gerade akquiriert oder müssen unzufriedene Kunden beruhigt werden, schleicht sich gern einmal etwas Kurioses ein: Man denkt urplötzlich an die Geschirrspülmaschine, die dringend ausgeräumt werden muss und sieht vor dem geistigen Auge die Schmutzwäsche, die unbedingt gewaschen werden muss.

    Deswegen sollte „Haushalts-Multitasking“ während des Arbeitens unbedingt vermieden werden. Denn Arbeitszeit ist Arbeitszeit!

Zusammenfassung: Wer noch nie im Home-Office gearbeitet hat, braucht gewisse Regeln, die auf den ersten Blick als Selbstverständlichkeit erscheinen, aber dennoch wichtig sind, weil die Rahmenbedingungen einfach andere geworden sind.

Interessiert wie Sie selbst Multitasking vermeiden – nicht nur im Home-Office? hier klicken »

Oder machen Sie hier Ihren persönlichen Multitaskingcheck:  Mein Multitaskingcheck »

Tipp 4: Virtuelles Co-Working

Was sonst Normalität ist, entpuppt sich beim Home-Office als schwierig. Man ist allein und muss allein klarkommen. Co-Working kann hier eine Hilfe sein. Wenn es die Internetleitung hergibt, können die Mitarbeiter die ganze Zeit „zusammen“ sein.

Der virtuelle Raum bleibt online, der Bildschirm bleibt eingeschaltet, allerdings ohne Ton. So entsteht das Gefühl, nicht wirklich allein zu sein, sondern das Team „in der Nähe“ zu haben.

Bei schwächeren Internetverbindungen können zumindest mehrmals am Tag Zuschaltungen erfolgen (durchaus auch ohne Sie als Chef*in), um Gemeinsamkeit entwickeln zu können. Das dann natürlich mit Ton, aber eben auch mit zeitlicher Begrenzung.

Tipp 5: Ohne Vertrauen geht gar nichts!

Als Führungskraft sollten Sie nicht nur gut kommunizieren, nein, Sie müssen mehr als herausragend gut kommunizieren. Sie wissen ja: Fehler entstehen zu 80 % aus ungenauer Kommunikation.

Besonders beim „Führen aus Distanz“ gilt: Formulieren Sie eindeutig Ihre Erwartungen in Bezug auf die Aufgaben, gewünschten Ergebnisse und das tägliche Miteinander.

Und zum Schluss: Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass Sie Ihnen vertrauen und die hier im Artikel beschriebenen Maßnahmen nur zur Optimierung der Abläufe dienen. Vermitteln Sie, dass Sie nicht die Arbeitszeiten kontrollieren wollen, jedoch getroffene Vereinbarungen eingehalten werden sollen.

Ja ich weiß, in manchen Unternehmen müssen Mitarbeiter im Home-Office ihre Arbeitszeiten aufschreiben. Ist das bei Ihnen auch der Fall, können Sie vielleicht etwas „großzügig“ damit umgehen?

Hier lesen Sie weitere Tipps für Ihr Führen aus dem Home-Office:

Führungskräfte im Home Office: Weit, weit weg von den Mitarbeitern »

Kommen Sie zurecht in der Corona-Krise?

Wird in Ihrem Unternehmen im Home-Office gearbeitet? Wie kommen Sie als Führungskraft damit klar? Und wie kommen Ihre Mitarbeiter im Home-Office zurecht?

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Meinung und auf Ihre Erfahrungen. Schreiben Sie gerne hier einen Kommentar.

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