Führungskräfte und SelbstmotivationDie Frage, was wichtiger ist, stellt sich bei genauer Betrachtung nicht. Denn Fremdmotivation kann nur gelingen, wenn es mit der Selbstmotivation klappt. Für Führungskräfte ist das eine Selbstverständlichkeit. Dennoch hapert es immer wieder an einem der beiden Aspekte, oder – schlimmer noch – an beiden. Woran liegt das und wie kann man dem begegnen?

 

 

Die Sache mit der Selbstmotivation

Menschen sind keine Maschinen, also unterliegen sie einerseits natürlichen Schwankungen der emotionalen Lage. Andererseits spielt aber auch der Alltag eine Rolle, der mal „geschmeidiger“ und mal „erbarmungsloser“ ist. Klar, dass gerade große Herausforderungen oder Anforderungen, die gleichzeitig auf uns einprallen, den Druck erhöhen. Um damit umzugehen, hilft es, sich in ruhigen Zeiten eine Strategie zurecht zu legen.

Es beginnt – wie so oft – im Kleinen. Jeder Tag bringt gewisse Routinen mit, an denen keine Führungskraft vorbeikommt. Doch wer sich bereits hier überfordert oder ineffizient arbeitet, wird mit größeren Aufgaben ganz sicher seine Schwierigkeiten haben. Die Führungskraft, die sich vornimmt, jeden Tag sieben oder acht Zeilen eines Berichtes zu schreiben, wird sich damit leichter tun, als die Führungskraft, die sich einmal in der Woche gleich sieben Seiten vornimmt. In diesem Beispiel ist es nicht nur die richtige Auf- und Einteilung der zu erledigenden Aufgaben. Es ist auch ihre Summe, denn „Kleinvieh macht auch Mist“, wie es so schön heißt. Bei vier, sechs oder acht Aufgabenstellungen passiert es also leicht, dass plötzlich so viel liegengeblieben ist, dass man vor einem scheinbaren Berg Arbeit steht und gar nicht genau weiß, wie es dazu kommen konnte.

Doch eigentlich ist klar, wie es dazu kam. Kleinere Arbeiten erhalten oft nicht das nötige Maß an Aufmerksamkeit. Es gibt andere Dinge, die wichtiger – größer! – sind und die den Vorrang erhalten. Doch das ändert nichts an der Verpflichtung, auch die anderen Aufgabenstellungen zu erledigen. Wer sich also den kleinen, aber notwendigen Aufgaben nicht widmet, wird an den größeren aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern oder zumindest arge Probleme bekommen, sie zu erledigen. Diese Form der misslungenen Arbeitseinteilung senkt naturgemäß die eigene Motivation.

Wer sich also gut organisiert, wird sich leichter tun, alles zu schaffen und dabei fast nebenbei die Eigenmotivation stärken. Und das hat positive Folgen. Denn Führungskräfte kümmern sich schließlich nicht nur um sich selbst, sie müssen die Mitarbeiter motivieren, sich aber auch von ihnen inspirieren lassen. Dafür ist mehr Zeit (und der Kopf ist offener und freier), wenn die täglichen Aufgaben gut organisiert werden und somit Platz geschaffen wird für Mitarbeitergespräche unterschiedlichen Inhalts.

 

Nichts tun als Eigenmotivation

Führungskraft braucht Pausenzeiten um motiviert zu bleibenZugegeben, das mag etwas merkwürdig klingen, aber es ist genauso gemeint, wie es die Überschrift andeutet. Als Führungskraft sind nämlich Pausen wichtig, Auszeiten, in denen man tatsächlich nichts tut, sondern entspannt und ausruht. Kein Mensch kann dauerhaft auf höchstem Niveau arbeiten, immer bei der Sache sein und auch noch ein guter Ansprechpartner für das Team sein.

Nichts tun … das ist übrigens anspruchsvoller als man häufig denkt. Selbst wer sich Pausen vornimmt, in denen er neue Kraft schöpfen will, merkt immer wieder, dass er abschweift, sich doch wieder Gedanken macht, innerlich schon längst seine Pause verlassen hat. So entfällt der regenerative Charakter der Pause, der Effekt verpufft. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die sich mit Pausen, Ruhe und Entspannung schwertun, dann sei Ihnen empfohlen, sich einmal mit Entspannungstechniken zu beschäftigen. Nicht selten helfen diese und wirken wie kleine Wunder.

 

Mitarbeiter motivieren: Die hohe Kunst der Führung

Fremdmotivation meint genau genommen nichts anderes als Mitarbeitermotivation. Eigentlich ist dieses Wort sogar deutlich besser und beschreibt die Sache angemessener. Denn wer „Fremdmotivation“ sagt, schafft damit eine gewisse Distanz zum Team. Das sind ja „Fremde“, die ich da motivieren muss, impliziert, dass man mit ihnen eigentlich gar nicht viel zu tun hat.

Weit gefehlt!

 

Flache Hierarchien oder knallharte Führung?

Mitarbeiter motivieren durch flache HierarchienDer autoritäre Führungsstil ist eigentlich längst überholt. Sicher, es gibt Situationen, da sind gute und nette Worte fehl am Platz. Wenn Aufgaben fahrlässig oder bewusst nicht erledigt werden, wenn andere Mitarbeiter gemobbt oder gezielt von Kollegen unter Druck gesetzt werden, ist es mit einem einfühlsamen Gespräch nicht immer getan. Doch selbst in diesen Momenten ist es sinnvoll, sich der Ausgangslage erst einmal neutral zu nähern und die unterschiedlichen Perspektiven in Augenschein zu nehmen. Stellt sich dann heraus, dass Handlungsbedarf besteht, ist immer noch genügend Zeit, aktiv zu werden. So mancher Konflikt hat sich durch die Klärung der Fronten erledigt, bevor er eskalieren konnte. Hier gilt es, das richtige Maß zu finden.

Um Mitarbeiter zu motivieren, sind flache Hierarchien jedoch am ehesten der Weg, der zum Erfolg führt. Das bedeutet nicht, dass die Führungskraft keine Vorgaben macht oder es unterlässt, Ziele zu formulieren. Aber sie tut das am besten und effektivsten, wenn die Mitarbeiter sich dabei gut aufgehoben und verstanden fühlen, wenn sie das Gefühl bekommen, da wird nicht einfach über ihre Köpfe hinweg entschieden, sondern mit Bedacht und Augenmaß.

 

Ansprechpartner sein

Wer keinen verlässlichen Ansprechpartner hat, ist nur schwer zu motivieren. Daher ist es wichtig, als Führungskraft für Gespräche zur Verfügung zu stehen und auch kritisches Feedback professionell aufzunehmen. Das bedeutet jedoch nicht, ein zu „Fleisch gewordener Kummerkasten“ zu sein, der für jedes noch so kleine „Leiden“ alles stehen und liegen lässt. Es gilt, die kommunikative Mitte zu finden, ein verlässlicher und aufrichtiger Ansprechpartner zu sein, aber auch klar zu formulieren, was erwartet wird, um den Unternehmenserfolg zu steigern.

Wenn die Kommunikation gelingt, kann den Mitarbeitern mehr Spielraum gelassen werden, mehr noch, es ist sogar sinnvoll, das zu tun. Denn wer spürt, dass er selbstständig arbeiten darf und wer merkt, dass Vertrauen in ihn und seine Art, die Arbeit anzugehen, gesetzt wird, ist motivierter, seine Aufgabenstellungen mit der richtigen Einstellung anzugehen.

 

Vorbild sein

Weiter oben war von der eigenen Organisation die Rede, von den kleinen Dingen, die reibungslos laufen müssen, um den großen Aufgaben gerecht zu werden. An dieser Stelle verschmelzen Selbst- und Fremdmotivation miteinander. Denn Mitarbeiter haben ein Gespür dafür, ob die Führungskraft in der Lage ist, das, was sie von ihrem Team einfordert, auch selbst zu schaffen. Daher ist es wichtig, sich selbst professionell zu organisieren, damit die Mitarbeiter sehen, dass ihre Führungskraft gut aufgestellt ist. Wer sich im Kleinklein verheddert, wird auf die Mitarbeiter nur wenig überzeugend wirken.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Authentizität der Führungskraft. Die „Ich behandle alle Mitarbeiter gleich“-Einstellung mag zwar nett klingen, wird der Sache aber nicht gerecht. Oft brauchen unterschiedliche Persönlichkeiten entsprechende Techniken der Ansprache. Sich das bewusst zu machen, ist kein Verbiegen der eigenen Persönlichkeit, sondern ein Zeichen dafür, sich auf unterschiedliche Charaktereigenschaften einstellen zu können.

Und dann ist da noch der Spaßfaktor. Arbeit darf durchaus Spaß machen, es darf gelacht werden, denn Lachen ist nun mal gesund und fördert die Stimmung im Team. Das machen übrigens auch finanzielle Belohnungen, wenn besondere Leistungen erbracht wurden. Das Geld sollte zwar nicht als einziger Antrieb funktionieren (denn das wird nicht funktionieren), aber als „Bonbon“ hat es seine Berechtigung.

 

Wie steht es mit Ihrer Motivation?

Grau ist alle Theorie, oder? Das hier Aufgeschriebene mag prima klingen, doch im Arbeitsalltag lässt es sich nicht immer so realisieren. Wie geht es Ihnen mit Ihrer Eigenmotivation? Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter? Gibt es Situationen, in denen Sie einfach nicht weiterkommen und das Gefühl haben, an einem Punkt zu sein, wo Sie dringend Rat oder Hilfe brauchen?

Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern als Kommentar auf. Oder Sie mailen mir oder rufen mich an. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen!

 

 

 

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